Familienbande

Mittwoch, 30. Juni 2010

Die schwerste Entscheidung

Wenn plötzlich der Arzt der Intensivstation anruft und fragt "Sollen wir Ihre Mutter noch mal beatmen oder nicht mehr?" - das muss einer der schwierigsten Momente im Leben sein.
Diese Entscheidung über Leben und Tod... und plötzlich steht man da und hat ca. eine Stunde Zeit, darüber nachzudenken.
Ich möchte mit meiner Mutter, die diese Entscheidung jetzt treffen muss (es gibt keine Patientenverfügung und auch keine verwertbaren Aussagen meiner Oma zu diesem Thema), wirklich nicht tauschen. Und ich weiß auch wirklich nicht, was ich ihr raten soll.
Die Ärzte sagen es nicht deutlich (sie dürfen ja nicht) aber man spürt, sie sind dagegen... begründen können sie das aber nicht.
Die Schwestern sagen, es wäre keine Lebensqualität mehr zu erwarten - aber Schwestern sind keine Ärzte und die haben sich vor einigen Tagen schon mal getäuscht als es hieß, das würde so alles nix mehr... und dann war sie wieder ansprechbar, konnte selbst sprechen, einige Schritte laufen...
Wir sind doch nicht Gott... woher soll man denn wissen, welche Entscheidung die richtige ist? Besonders, wenn alles so plötzlich kommt und kein langer Leidensweg voraus ging.
Ehm - örks?

Freitag, 25. Juni 2010

Zackboom

Große Aufregung heute im Maushaus.
Meine Oma, die sonst jeden Abend (Wirklich jeden! Pünktlicher als der Wecker und so...) um 17:30 Uhr meine Mama angerufen hat, blieb heute still.
Kein Anruf, nicht erreichbar, Tür blieb auch nach Klingeln ungeöffnet.
Die Polizei wurde gerufen (weil die Tür bei steckendem Schlüssel von innen verschlossen war) und so wurde sie wohl gefunden... auf dem Küchenboden... lebendig, aber dehydriert.
Im Krankenhaus wurde eine Lungenentzündung festgestellt - vermutlich bekam sie nicht genug Sauerstoff und ist deshalb umgefallen.
Viele Stunden lag sie da wohl so, unfähig, Hilfe zu rufen - und das macht mir gerade irgendwie zu schaffen...
Ich hab' auf Grund vieler Vorkommnisse kein besonders gutes Verhältnis zu meiner Oma... aber so was wünscht man doch niemandem. :-(

Bah, diese Vorstellung ist wirklich gruselig... stundenlang irgendwo zu liegen und zu hoffen, dass man vielleicht doch noch rechtzeitig gefunden wird. Uuuurgh!

Dieses Plötzliche und die Endgültigkeit am Ende des Lebens (wann auch immer dieses Ende kommen mag) - ich versuche jedes Jahr mehr, das einfach als Tatsache anzunehmen... aber momentan hat das noch mehr mit Verdrängung als mit wirklichem Einverständnis zu tun.
Leben kommt und geht und manchmal ist es von jetzt auf gleich ganz anders oder gar, zackboom, einfach zu Ende... das ist an manchen Tagen einfach zu viel für meinen kleinen Erdbeermauskopf. :-/

Gerade dieses Mitten-aus-dem-Leben-gerissen-werden... durch Krankheit, Tod, wasauchimmer.

Das kann alles so schnell vorbei sein. Man sollte mehr genießen, noch mehr, immer mehr. Alles, was irgendwie geht.
Bewusster und so... ich weiß, das sagt man in solchen Situationen immer... aber es ist doch auch so!

Samstag, 5. Dezember 2009

Huch

Ob ich mir wohl zu Weihnachten ein Hotelzimmer wünschen sollte? Nur für mich allein? So Anfang Januar? Für 4 Tage, 3 Nächte?
In Frankfurt oder Darmstadt? (einfach mal, weil da die meisten Freunde wohnen)
Ausbruchsstimmung - ich will Zeit. ZEIT, ZEIT, ZEIT. Zeit für mich, nur für MICH. Ich will Dinge tun, die ich sonst nicht tun kann. Und ich will ich sein. Nicht Mama, nicht Tochter, nicht Freundin, nur ICH. Ich ganz allein.
Was'n egoistisches Weihnachtsgeschenk. Aber nach fast 4 Jahren Rundumbetreuung hab' ich mir das eigentlich verdient. Finde ich. ;-) Jetzt muss ich nur noch meine Eltern davon überzeugen und beten, dass das Schnuffelkind nicht gerade _dann_ krank wird. Örks!

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Meldung aus dem Seuchenlager

Ich wollte nur kurz Bescheid geben: Wir leben noch. Und die Tatsache, dass ich es tatsächlich gerade schaffe, mich für ca. 10 Minuten vor den PC zu pflanzen, zeigt auch - es scheint so zu bleiben - mit dem Leben und so.
Also nachdem ich ja schon kurz davor war, meinen Sarg zu bestellen... ;o)
Ernsthaft - wir haben wohl irgendwas grippiges - das kommt mit einem Schlag und setzt einen so dermaßen matt, dass man kaum noch weiß, wie man sich durch den Tag wurschteln soll.
Seit Sonntag bin ich krank (noch ohne nennenswerte Besserung *gna*), seit heute dann auch das Schnuffelkind. Ich hoffe und bete, dass es sie nicht so arg erwischt wie mich - das wäre nämlich gar nicht schön.
Ich geh' dann mal wieder Tee kochen. Mails etc. müssen bis nächste Woche warten, Blogs werde ich vermutlich vorher auch nicht lesen. Wenn's nach mir ginge, würde ich 24/7 schlafen. ;o)
Alles Liebe euch und bleibt gesund! ♥

(Übrigens weiß ich jetzt, wie man als Schweinegrippe-Verdachtsfall behandelt wird - nämlich total bevorzugt. *g* Getestet wurde dann aber nicht - das wird wohl nur in schwereren Fällen mit noch höherem Fieber gemacht. Ist wahrscheinlich zu teuer, jeden zu testen, der irgendeine Grippe hat... und im Endeffekt ist's ja auch Wurscht, _welche_ Art von Grippe einen da flach legt.)

Sonntag, 21. Juni 2009

Unangenehm

Wenn das Schnuffelkind Besuch von seinem Vater und dessen neuer Freundin bekommt, fühle ich mich immer unwohl. Abgelehnt. Die schauen mich kaum an, sprechen sowieso nur das allernötigste.
Wie die böse Hexe aus dem Märchen. Die, die den armen, tollen Mann verlassen hat und ihn jetzt auch noch per Urkunde dazu verpflichtet hat, endlich mal regelmäßig Unterhalt für seine Tochter zu zahlen. Nur für die Tochter. Wohlbemerkt. Armer Kerl.
Dabei bastele ich für Feiertage mit dem Schnuffelkind für beide (!) Geschenke, besuchen könnten sie die Lütte praktisch jederzeit. Termine werden von meiner Seite aus höchstens abgesagt, wenn das Schnuffelkind krank ist. Vorschriften mache ich auch keine. Nur, dass sie darauf achten sollen, dass sie ab und an mal was trinkt.
Ich fürchte, das Verhältnis zwischen uns wird sich so schnell nicht entspannen.
Doof eigentlich. Ich weiß nicht wirklich, was ich noch machen soll. :-?

Freitag, 5. Juni 2009

ABM

Es gibt ja tausend Dinge, mit denen ich den heutigen Nachmittag lieber verbrächte.
Socken bügeln beispielsweise. Ich könnte auch die genaue Anzahl der Reiskörner in einer 500g-Packung Himalaya Basmati-Reis ermitteln. Oder meine CDs sortieren. Das Telefonbuch auswendig lernen. Toilettenrollenhütchen häkeln. Vielleicht auch eine Großpackung Taschentücher zu kleinen Kügelchen rollen.
Aber nein - stattdessen bekommen wir Besuch von den Ex-Beinahe-Schwiegereltern.

Dienstag, 26. Mai 2009

WTF...

... ist eigentlich los hier?
Mein Vater hatte am vorletzten Wochenende nen Unfall mit dem Fahrrad. Linker Arm, linkes Bein, Hüfte... alles offen. Meine Mum hat sich gestern beim Sport ne Kapselsprengung an gleich drei Fingern geholt und ist jetzt an der rechten Hand eingegipst. Schnuffelkind auch krank jetzt. (Das sieht mir momentan leider gar nicht nach Wegschlafen aus. Eher nach Fieber... *mhpf*)
Komisch ist das. Erst ist monatelang Ruhe und dann kommt immer gleich alles auf einmal. Komischerweise ist das in unserer Familie immer so. Geteiltes Leid ist halbes Leid? Irgendwelche Zusammenhänge? Murphy? Na? Na? Na?

(Btw - wenn ich nach der logischen Reihenfolge also als nächstes dran bin, hätte ich bitte gern einfach nur nen harmlosen Schnupfen, ja? ;-P )

Donnerstag, 14. Mai 2009

Meine kleine Oma

Aus "Das Buch vom Lachen und Vergessen" (Milan Kundera):

"Sie hielten die Mutter jeder auf einer Seite unter dem Arm fest und mussten sie buchstäblich tragen, der Wind hätte sie sonst fortgeblasen wie eine Feder. Gerührt spürte Karel ihr fast nicht mehr wahrnehmbares Gewicht in seiner Hand, und er begriff, dass seine Mutter in ein Reich anderer Wesen gehörte: sie waren kleiner, leichter und einfacher fortzublasen."

An dieser Stelle standen mir heute die Tränen in den Augen.
Ich sah meine kleine Oma, die in ihren letzten Jahren auch so _verdammt_ leicht und einfach fortzublasen war. Ganz sicher gehörte sie da auch schon in ein Reich anderer Wesen. Ich wollte immer wissen, was sie hörte, dachte, sah. Was ihren Tag bestimmte, ob ihre Realität vielleicht einfach nur eine ganz andere war.
Früher hat sie mir Mützen gestrickt und mir alles über die Natur beigebracht. Sie ist mit meinem Opa und mir wandern gegangen und wir sangen dann immer "Das Wandern ist des Müllers Lust" und "Eine lange Reihe". Wir haben im Urlaub immer so ein kleines, hellblaues Aluminumbecherchen auf unsere Ausflüge mitgenommen und am Wegrand Himbeeren gesammelt. Wir wollten Himbeermilch machen, haben aber immer alle Himbeeren schon auf dem Rückweg aufgegessen.
Wir sind vor Sonnenaufgang aufgestanden um Pilze sammeln zu gehen. Und jedes Mal habe ich mich gefreut, wenn wir dabei Erika-Kraut entdeckt haben. Wenn es etwas gibt, das wie meine Oma heißen darf, dann muss es eine Pflanze sein. Eine kleine. Robuste, immergrüne. :-)
Bei Familienfeiern war ich immer froh, dem Trubel entkommen zu können und bin zu ihr in die Küche gegangen. Wir haben dann abends zusammen kalte Platten gemacht und sie hat anschließend vor allen stolz verkündet, dass ich die ganz allein dekoriert habe.
Sie war die Mutter meines Vaters - eine typische Jungsmama eben. Wenn sie mich nach dem Baden abgetrocknet hat, tat das richtig weh. (die Handtücher waren ja damals auch noch so hart) Aber sie hat da keine Rücksicht genommen auf verwöhnte, kleine Mädchen. "Beiß die Zähne zusammen!", hat sie immer gesagt. Und ich war still. Nicht aus Angst, sondern aus Einsicht.
Wenn ich bei meinen Großeltern übernachten durfte, wurde ich abends von ihr zugedeckt - mit einem für mich damals rieeesigen Federbett, das immer soooo gut und frisch roch, im Winter hat dazu im Ofen das Feuer leise geknistert. Ich konnte noch nirgendwo besser einschlafen. :-)

Drei Wochen nach der Geburt meiner Tochter ist sie gestorben. Die beiden haben sich leider nie kennenlernen können.
Manchmal fehlt sie mir... und irgendwie hoffe ich, wir sehen uns mal wieder. Irgendwann. Da auf ihrer Wolke. :-)

Sonntag, 10. Mai 2009

Ach...

... *seufz* ...
Wollt ich jetzt nur mal so gesagt haben.

Wir waren heute in L., meine Mum besuchen. Und wie das Schnuffelkind sie dann zum Abschied geknuddelt hat, und wie sie uns dann so gewunken hat... tat sie mir fast schon wieder leid.
Aber das ist ja gerade das Schwierige an der Situation. Alles so wechselhaft. Sie kann auch so lieb und nett und witzig sein... wenn sie nicht gerade unter dem Einfluss einiger Packungen Medikamente steht.

Argh! Hmpf! Grmblz! (aber das nur nebenbei)

Freitag, 8. Mai 2009

Das Leben ist kurz genug

... also versuche ich heute, alle unliebsamen Gedanken auszuschalten. Wenigstens für die nächsten Stunden.

Tha - hat doch heute meine Mum wieder aus der Klinik (Entzug) angerufen.
"Wann kommt ihr denn? Ach, der A. kommt nicht am Sonntag? Na klasse, dann könnt ihr mich ja dann besuchen kommen. Ach so, und ich bräuchte noch ein Verlängerungskabel, das könnt ihr dann ja auch gleich mitbringen!"

Ja nee, is klar. Leben geht weiter wie immer und diese Frau versteht nichts, aber auch gar nichts! Arghmmmpf! Ist die so merkbefreit oder tut die nur so?

Bücherdingens


Paul Auster, Joachim A. Frank
Stadt aus Glas. SZ-Bibliothek Band 6

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frau_maus (at) gmx .net

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